Dezember   Leave a comment

An dieser Zeit mag ich die Beschränkung auf wenige Farben.
Die Reduziertheit, die auch wieder eine Konzentration darstellt.
Dunkelgrün, Braun, Rot. Schwarz und Weiß.
Grün die Nadeln der Fichten und Tannen.
Braun für die abgestorbenen Stängel und Blätter.
Rot glänzen die Beeren, Hagebutten.
Schwarz die Baumstämme.
Weiß der Schnee.
Und grau die Nebelschwaden am Morgen und Abend, die der Windhauch zwischen den Pflanzen hindurch ziehen und wabern lässt.

Gehe ich spazieren,
so flüstert’s vom Wegesrand,
aus dem Gebüsch und Geäst:
„Nimm mich mit!“ von den
Frucht- und Samenständen des Herbstes.
Und so sammelt sich in meinen klammer werdenden Händen
Halm auf Halm, Stiel auf Stiel,
schlank aufragend einige blonde Halme der Gräser,
dazwischen ein Distelzweig,
der sich so gerne verhakt.


Dann sitze ich wieder zuhause
und unter meinen Händen entsteht ein Gesteck.
Das lässt mich an die Vielfalt und den Reichtum der Natur denken.
Freude und Besinnlichkeit lassen mich philosophieren,
während allmählich die Dämmerung in mein Zimmer dringt.
Die Schönheit bezaubert mich.
Zeit des Nachdenkens und der inneren Einkehr.
Stille und Zufriedenheit breiten sich aus …

Veröffentlicht 20. Dezember 2020 von Michael in Bilderbogen, Gedankensplitter

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Sicherer Ort   Leave a comment

 

Im Wald, auf einer sonnigen Lichtung, ist zwischen Moospolstern und saftigen Kräutern eine kleine Stelle, sie sieht aus wie ein klitzekleiner Teich. Eine Libelle hält im Vorüberschwirren kurz inne und beäugt das Wasser. Klar steht es über den Kieselsteinen am Grund – und der Himmel spiegelt sich in der fast unbewegten Oberfläche.

Und ab und an kommt von unten aus dem Schatten zwischen den Steinen heraus eine Luftblase, zunächst noch klein und silbrig glänzend wie eine Perle, ganz langsam empor. Sie wird allmählich etwas größer, bis sie – fast geräuschlos – schließlich aus dem Wasser steigt und mit großer Leichtigkeit immer höher über den Gräsern der Wiese davonschwebt.

In ihr spiegelt sich eine schöne glückliche und farbenfrohe Welt. Jetzt treibt sie schon irisierend hoch über dem Holunderstrauch, für meine Augen immer weniger vor dem Himmel zu erkennen, bis sie langsam meinem Blickfeld entschwindet.

So geht es auch mit meinen Gedanken, meinen Träumen, die, zunächst noch klein und unscheinbar, den Tiefen meiner Seele, meinem Unbewussten, entsteigen, zur Oberfäche drängen, bis sie schließlich in voller Pracht ins Bewusstsein dringen und leicht, scheinbar schwerelos dahinschweben in die weite Welt hinaus.

Auch hier: unbesorgt loslassen, vertrauen

Veröffentlicht 20. Juli 2020 von Michael in Gedankensplitter

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falsche Scham   Leave a comment

Da war die Sendung mit Maybrit Illner mit dem Titel „Missbrauchte Kinder – besserer Schutz, härtere Strafen“ vom 18. Juni. Bei der Art, wie sie die Sendung moderiert, denke ich: „Na gut, sie verdient ihr Geld damit.“ Frau Howard argumentiert mit dem Hintergrund eigenen Erlebens hingegen sehr gut. Aber ich hätte doch mal gerne ein paar Mütter in der Runde, die gefragt werden: was hat sie gehindert, sich für ihre Tochter einzusetzen, als diese Hilfe gebraucht hätte gegen den Täter, den Freund, den eigenen Mann.

Warum schämt man sich, wenn man Missbrauch ausgesetzt ist. Viele Menschen können erst nach Jahren über den Missbrauch sprechen. So lange bleibt ihnen der Missbrauch buchstäblich im Halse stecken, nimmt ihnen so, falls er nicht total ins Unterbewusste verdrängt wurde, die Luft zum Leben. Ich wünsche mir hier einen Bewusstseinswandel in der Bevölkerung. Wo sich doch eigentlich die Täter, Vertuscher und Wegschauer schämen müssten.

Warum schämen sich viele Menschen, wenn sie sich Hilfe und Unterstützung bei Psychotherapeuten und ähnlichen Fachleuten holen? Eigentlich sollten sie eher stolz sein, diesen Schritt zu wagen und etwas zu verändern wollen.

Warum darf das bloß keiner erfahren? Aus Angst vor der Reaktion der anderen? Drüber reden ist ein wichtiger erster Schritt! Und drüber nachdenken und sich sachkundig machen ein zweiter. Ohne Einsicht kein anderes Bewusstsein. Ein dritter Schritt wäre Stellung beziehen, sich einbringen.

Und warum gibt es immer noch kein positives deutsches Wort für „Nestbeschmutzer“ oder „Denunziant“? Das sind Vorverurteilungen, die ein unangemessenes Verhalten, Missbrauch und die „schweigende Mehrheit“ fördern. Wir müssen uns im Gegenteil dazu fragen, warum das „Schweigen ist Gold!“ immer noch so einen hohen Stellenwert hat. Das führt dazu, dass wir uns immer wieder fragen müssen: „Warum haben sie so lange geschwiegen?“ und „Warum ist die Dunkelziffer so hoch?“ Und das geht leider quer durch unsere christliche Gesellschaft, egal ob es um Gewalt in der Familie geht oder Vertuschung in der Industrie, bei Behörden oder in der Religion! Warum sind die Verschweiger und großen Betrüger immer noch stolz auf ihr Schweigen und anerkannt in der Gesellschaft? Dabei gab es einmal eine Zeit der Aufklärung. Aber das ist lange her.

Veröffentlicht 1. Juli 2020 von Michael in Gedankensplitter

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Flugpionierin   Leave a comment

Die Geschichte der Flugpionierin Thea Rasche hat mich sehr beeindruckt. Kaum hat ein Mann eine Maschine oder einen Apparat gebaut, so ist auch schon eine Frau da, die sie ausprobiert. Eine wagemutige und unerschockene Frau, die sich nicht abschrecken lässt. Ich denke z.B. auch an Bertha Benz, Clärenore Stinnes, Käte Paulus oder Elli Beinhorn.

Dann denke ich an die beschnittenen Frauen in Afrika, und wie die Frauen auch hier bei uns beschnitten werden. Wie heißt es in der traurigen Geschichte vom Feuerzeug im Struwwelpeter-Buch:

"Minz und Maunz, die Katzen,
erheben ihre Tatzen.
Sie drohen mit den Pfoten:
der Vater hats verboten!"

Warum hat der Vater seiner Tochter nicht den Umgang mit den Zündhölzern beigebracht? Warum hat er sie nicht ermutigt. Müssen kleine Kinder unbedingt behütet werden, oder nicht doch viel mehr ermutigt?

Ich habe in meinem Leben so manche Frau kennengelernt, wo ich diese Beschneidung gespürt habe. Wieviel Lebenfreude, Unternehmungsgeist und Unbändiges wurde da bereits in der Kindheit abgeschnitten. Und ich spüre es ja auch bei mir selbst. „Sei schön brav!“ „Mach einen Diener!“ „Gib keine Widerworte!“.  Das tut mir heute so weh!

So bin ich dann auch geworden: brav, still – und schließlich depressiv. Disziplin. Der Geliebte meiner Mutter stammte aus Ostpreußen. Er hat mich nicht gemocht, weil mir die Disziplin fehlt. Ja, da wurde wohl bei mir in den ersten Lebensjahren zu viel kaputt geschlagen.

Ich würde so gerne ein Loblied singen auf die unbeugsammen Frauen. Die Erweckung der Widerspenstigen, von denen uns die alten Märchen erzählen! Die ihren Wagemut erhalten konnten. Deren Zähmung ein alter Männertraum ist. Noch ist kaum mehr als hundert Jahre her, dass sich ein Mann getraut hat, ein vielbeachtetes Buch herauszubringen „über den physiologischen Schwachsinn des Weibes“, so der Titel. Ich hätte gerne ein Buch „Über den physiologischen Schwachsinn so mancher Wissenschaftler!“, die mich und andere Menschen so oft in die Irre geführt haben. Als Lehrer mit einem mechanistischen Weltbild, das mich schon damals an meinem Verstand hat zweifeln lassen; als Landwirtschaftsberater haben sie die Bauern in die Irre geleitet, als Ärzte haben sie die Kräuterfrauen verlacht. Wie viele Mütter ließen sich durch die Erziehungsratgeber von Johanna Haarer verführen? Bis heute leiden unsere Kinder unter der „Schwarzen Pädagogik“. Mit dem Druck z.B. eines „Numerus clausus“ kann man sie alle fangen. Welchen Grund gibt es, einen Hauptschüler abzuwerten?

Ein bekanntes Kinderlied über das Erwachsenwerden eines Kindes bringt uns auf die Spur. Der Einfluss der Mutter und ihre Tränen machen aus dem erwachsenen Hans wieder ein Hänschen:

Hänschen klein ging allein
in die weite Welt hinein.
Stock und Hut stehn ihm gut,
Hans ist wohlgemut.
Aber Mutter weinet sehr,
hat ja nun kein Hänschen mehr.
Da besinnt sich das Kind,
läuft nach Haus geschwind.

Ich habe hier noch das Gedicht einer Frau, das mich in seiner Konsequenz sehr beeindruckt:

Wunschkind?

Nachkriegskind

Weibliches Kind

Zartes Kind

Krankes Kind

Blondes Kind

Wildes Kind

Trotziges Kind

Aufmüpfiges Kind

Gemaßregeltes Kind

Bestraftes Kind

Gezüchtigtes Kind

Verängstlichtes Kind

Stilles Kind

Trauriges Kind

Depressives Kind

Depressive Frau

Veröffentlicht 9. Mai 2020 von Michael in Uncategorized

Das Lied vom Fliegen   Leave a comment

Die Frau singt, dass sie auf der Wiese liegt und in den Himmel schaut.
Sie spürt, dass sie fliegen kann, einfach, weil ihr so leicht zumute ist.
Und ich erinner mich, wie ich früher auch so geträumt hab.
Aufm Heimweg von der Schule ging ich ein Stück durch die Natur,
wo ich gesungen hab und jubiliert in der Hitze der Sommersonne.
Da war ich alleine für mich und ungebunden,
ein Freiraum zwischen Schule und Elternhaus.
Niemand war in der Nähe, den es hätte stören können.

Was da alles möglich war, wenn man nur recht fest dran glaubt.
Mein Kopf war voller Ideen, bunt und leicht.
Nach den langen Stunden des Vormittags
auf den harten Stühlen im Klassenzimmer.

Wie viel davon hab ich vergessen mit der Zeit,
wo ich gelernt hab „vernünftig“ zu sein,
schön brav und angepasst.
Aber angepasst an was? Ans tägliche Leben?
Heute spür ich ihm nach und ich denk mir:
das tägliche Leben, war das wirklich meins?

Was hatte mir in der Wiege gelegen als ich noch klein war?
Die Wissenschaftler heute suchen nach Stammzellen,
das sind die, mit denen noch alles möglich ist.
So wars vielleicht auch mit mir als kleinem Kind:
was war da nicht alles möglich für den kleinen Mensch.
Weil er noch nicht ausdifferenziert war, wie es so heißt.

Und so liege ich da und träum, was ich alles hätt werden können,
wenn man’s nicht hätte zerschlagen müssen damals.
Und meine Lehrer haben sich als Gärtner gefühlt,
die die Bäume alle zurecht stutzen müssen,
das lieben sie, das haben sie gelernt
Kinder zu Spalierobst ziehen.
Damit die Bäume ja nicht in den Himmel wachsen.

Heute liege ich auf meinem Lotterbett.
Die Träume fliegen wie leichte Wolken durch mein Gemüt,
steigen auf, sinken nieder wie der Lauf der Welt.
S’ist mir wie früher auf der Wiese,
als würden noch die Hummeln brummeln, die Grillen zirpen.

Musst nicht böse sein oder traurig,
solange du noch Träume hast.
Und merk dirs bitte fürs nächste Mal.

Veröffentlicht 5. April 2020 von Michael in Gedankensplitter, Lyrik

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Rückbau   Leave a comment

Heute habe ich eine Doku über den Rückbau von Kernkraftwerken geschaut. Das war voller Emotionen für mich. Habe ich doch damals geholfen, die Strahlenschutzbelehrungen zu fotografieren. Ich kannte also die Orte, die Geräte aus der Zeit, wo sie noch in der Blüte der Zeit standen, aus eigener Anschauung. Wo das alles noch ganz toll war. Als man noch vom Fusionsreaktor träumte.

Ich kenne die großen runden dicht schließenden Türen, die ganzen Sperren und Schleusen, wo man sich umziehen muss, um den kontaminierten Bereich so klein wie möglich zu halten, aus eigener Anschauung. Die Duschen, wo man sich abseifen muss, bis die Haut frei von strahlenden Partikeln ist. Das ist keine Arbeit für mich, weil ich dafür zu oberflächlich bin und nicht penibel genug, weil man von der Strahlung nichts sieht oder spürt. Man muss einfach den Messgeräten vertrauen.

Die aufwendige Vorgehensweise um den Rückbau macht ein bisschen wehmütig, die schönen Allmachtsträume von der Beherrschbarkeit der Natur sind im Abfalleimer der Geschichte gelandet. In den 1970er Jahren war es noch Zukunftstechnik, jetzt ist es schon zum Problemfall geworden, weil immer noch keine wirklichen Lösungen gefunden oder entwickelt wurden. Ich bin zu sehr Mann, um nicht auch an diesen Träumen und Fantasien Gefallen gefunden zu haben. So wie die Idee, das Mittelmeer durch einen gigantischen Damm abzusperren, um so neues Land und Boden zu gewinnen, das Atlantropa-Projekt.

Heute musste man erkennen, dass der Abriss eines AKWs doch noch teurer ist, als damals eines zu errichten. Ich habe damals schon nicht an die Verheißungen der Wissenschaft geglaubt, heute noch weniger.

Ingenieure und Machbarkeitsfantasien: Ich finde es eigenartig, dass heute noch niemand mit der Idee eines großen Kühlschrankes gegen die globale Erwärmung ankam. Das ist natürlich nicht so trivial, da man keine Kälte erzeugen kann, sondern nur Wärme woanders hin transportieren.

Schule   Leave a comment

„Unsere Gesellschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten so drastisch verändert, aber wir haben immer noch die Schule von gestern“ – diese Überzeugung hat die Hamburgerin Heide Mombächer dazu gebracht, die „Ja! Junior Akademie“ zu gründen. Mit dem Pilotprojekt an der Clara-Grunewald-Schule Hamburg möchte sie Kindern die Möglichkeit geben, ihren Horizont zu erweitern und ihnen andere Perspektiven aufzuzeigen. Ein Schuljahr lang bekommen Schüler der dritten und vierten Klasse in drei unterschiedlichen Workshops Besuch von Experten aus der freien Wirtschaft.

Das ist der Begleittext zur Sendung „Junior Akademie“. So etwas in dieser Art ist ein alter Traum von mir. Schon damals in meiner Schulzeit hatte mich gelangweilt, dass ich Probleme lösen sollte, die nicht meine eigenen waren, Aufgaben ausrechnen, deren Lösung schon lange feststand. Wo doch die Welt draußen mit so viel Aufgaben auf mich wartete. Dabei war ich so voller Neugierde, voller Wissensdurst. Es gab so viel auszuprobieren und zu erfahren. Und ich hatte stets Unterstützung, Menschen, die Zeit und Energie zur Verfügung stellten für meine Ideen und Experimente.  Zu meiner Schulzeit war die große Zeit der „Münchner Lach und Schieß“, also eiferten wir dem nach. Ein Ventil für unsere Nöte, wo damals so vieles tabu war. Zwanzig Jahre nach Kriegsende durfte über vieles nicht geredet werden. Aber die Kunst erlaubte vieles in Worte auszudrücken, was sonst verboten war.

Das ist das Schönste im Leben: die Hilfsbereitschaft der anderen Menschen. Die vielen Menschen, die mir immer wieder geholfen haben, meine Ideen und Fantasien in Realität umzusetzen: die mir geholfen haben, in die Regeltechnik einzusteigen und den Klimaschrank in Betrieb zu nehmen, die mir geholfen haben in der Selbsthilfegruppe, geholfen bei den Gartenfesten oder diversen Veranstaltungen. Schade, dass ich immer so verschüchtert war und das alles nicht so nutzen und auskosten konnte. Da wäre vieles einfacher und leichter gewesen n meinem Leben. Heute denke ich: ach hätte ich mich nur getraut mit vollen Händen zuzugreifen und Glück und Freude auszuteilen. Das sind doch die Sachen, die nicht weniger werden, wenn man freigiebig austeilt, sondern nur mehr. Nein, wir brauchen nicht knausern.

Da möchte ich den Kindern Mut machen, sich auszuprobieren und zu verwirklichen. Schiller schreibt: „Das Auge sieht den Himmel offen, es schwelgt das Herz in Seligkeit!“ Das sollten sie sich so lange als möglich erhalten. Statt dessen hat man uns so oft Angst gemacht, mit dem Ernst des Lebens gedroht. „Wenn’s dem Ochsen zu wohl ist, geht er aufs Eis tanzen“

Ich habe im Leben begriffen, dass man am besten in einer Gruppe arbeitet. Da ist es unnütz, Schulnoten zu vergeben. Und ich bin ein Lerntyp, der am besten mit der Hand begreift, kein Theoretiker oder Formeltyp. Ja, ich kann nichts auswendig lernen, was mich nicht brennend interessiert. Gedichte in der Schule waren eine Qual für mich. Da habe ich doch lieber eins selbst geschrieben.

Wissen muss für mich immer vernetzt sein. Dann kann ich Analogien ziehen. Erfahrungswerte sammeln, dann brauche ich nicht lange zu berechnen. Das können andere besser. Ich freue mich immer, wenn jemand anderes was besser kann als ich. Das macht Spaß, mit ihm zusammen zu arbeiten, und Synergieeffekte zu nutzen. Solche Erfahrungen wünsche ich mir in der Schule für meine Enkeltöchter umgesetzt.

Als Gerhard Schröder den Satz losließ: „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt!“, habe ich keinen Aufschrei gehört. Was will man in einer Welt ohne Visionen? Da würden wir heute noch so ähnlich wie die Tiere leben. Alle Weiterentwicklung stammt von Menschen, die Visionen hatten und sich nicht mit dem Üblichen begnügt hatten. Und darauf soll die Schule uns und unsere Nachkommen vorbereiten.

Veröffentlicht 7. Januar 2020 von Michael in Gedankensplitter

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Gewalt gegen Frauen   Leave a comment

 

Demütige Frauen am Kreuz

Heute war Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen, und alle haben sie in den Medien was dazu gesagt: dass sie Gewalt gegen Frauen nicht so gut finden. Aber wirklich was dran ändern wollen, hieße meiner Meinung nach bei den Wurzeln nachschauen. Eingeschliffene Verhaltensweisen hinterfragen, da wird es mühsam. In mir klingt immer noch der Spruch: „Hinter jedem Mann steht eine Mutter, die stolz darauf ist, dass er so geworden ist!“ Gewalt ist nicht nur körperlich, wo man manchmal die blauen Flecken sehen kann.  Gewalt ist ebenso psychisch, trifft die Seele, und Gewalt ist ganz wesentlich strukturell, aus der Gesellschaft heraus.

Wir müssen uns fragen, wo die jungen Frauen lernen, was sie bereit sind in einer Partnerschaft zu ertragen? Seit wann verwechseln sie Liebe mit Hiebe? Wir müssen uns fragen, warum sie sich schämen, das Scheitern einer Beziehung zuzugeben! Und wer muss sich denn schämen? Wo sind all die Frauen, die im Kindergarten gelernt haben „Nein!“ zu sagen und auch durchzusetzen? Wir müssen das Eheversprechen mit den guten und den schlechten Tagen hinterfragen, gerade wenn die schlechten Tage selbst gemacht sind. Solange wir als Gesellschaft das alles dulden und für mehr oder weniger selbstverständlich halten, warum sollen Männer sich ändern?

Vor gut zehn Jahren habe ich mal versucht eine Maßnahme für einen Mann zu finden, wo er hätte lernen können mit seinen Aggressionen umzugehen. Da war er Mitte Dreißig. Wir haben trotz aller Bemühungen nichts gefunden, was ihm hätte helfen können. Wäre er noch Teenager gewesen, wäre vielleicht was möglich gewesen. Ich frage mich, ob es genügt, jetzt mehr Frauenhäuser zu bauen? Das ändert doch nichts am grundsätzlichen Problem mit der Gewalt. Wenn eine Frau endlich sich überwunden hat und beim Frauenhaus anruft, ist das Unheil schon lange geschehen. Und warum wird ein Frauenhaus nicht respektiert und muss alle paar Jahre umziehen?

Ich wünsche mir mehr No-go-Bewusstsein, der Begriff der Toleranz wird mir zu sehr ausgeweitet. Statt dessen mehr „Das geht gar nicht!“. Ich finde, das fängt schon bei der Wortwahl an. wie kann ein Täter als Ex-Partner bezeichnet werden? So jemand kann doch kein Partner sein?

Und was mich extrem stört: die Kommentare gleich wieder unter den Beiträgen dazu von den Männern, die sofort meinen aufschreien zu müssen. Dabei sind Männer natürlich immer mitgemeint. Dabei spielen Männer, wenn es um Gewalt geht, in einer ganz anderen Liga. Gewalt gegen Männer geht genauso wenig wie gegen Frauen.

Veröffentlicht 25. November 2019 von Michael in Gedankensplitter

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Frauenmuseum   Leave a comment

Frauenmuseum: aufgeweckt oder eingeweckt?

Neulich war, passend zum Weltmännertag, in unserer Familie Männertag. Ich war mit meinen beiden Söhnen zum 35 Geburtstag im Frauen Museum Wiesbaden.

Den Frauen dort verdanke ich sehr viel. Sie haben mich begleitet auf dem Weg der Mann zu werden, der ich heute bin. Sie haben mich willkommen geheißen und ermutigt. Sie haben mir gezeigt, was Frauen so treiben, wenn sie keine Männer dabei haben wollen. Ich war dabei, als eine Traumreise durch die Enge einer Vulva begann. Ich durfte dort einen Vortrag in der weiblichen Form halten, wobei Männer natürlich immer „mitgemeint“ waren. Das ist mir nicht leicht gefallen vor all den Honoratioren damals.

Die Feier selbst war sehr schön, traditionell mit Kaffee und Kuchen. Der schwul-lesbische Chor aus Mainz hat neben anderen Liedern vertraute Weisen mit geändertem Text über herkömmliche Rollenbilder gesungen. Ein Tag so recht um in Erinnerungen zu schwelgen mit dem Charakter eines Ehemaligentreffens. Erinnerungen an eine Zeit, wo Frauen mutig und zornig auf die Straße gingen gegen §218: „Mein Bauch gehört mir!“

So war auch das Publikum: viele Zeitzeuginnen; ein „Weißt du noch damals?“, das über allem stand.

Wir gehen ans Eingemachte

Meine Söhne haben mich zu Recht gefragt: „Warum brauchen wir heute noch ein Frauenmuseum?“. Diese Frage möchte ich gerne an meine Leserschaft weiterreichen. Wie könnte man sich heute ein Frauenmuseum vorstellen? Es gibt doch im Feminismus so viele tolle Entwicklungen, junge Frauen, die sich ihr Leben frei gestalten, mit Vorstellungen und Ideen weit jenseits einer patriarchalen Welt und eines Feminismus einer Alice Schwarzer. Was gilt es sichtbar zu machen? Wie sieht er aus, der aktuelle Feminismus 2.0? Ich glaube, Männer tun sich durch die Bank viel leichter als Frauen, sich an die Brust zu schlagen und eine Laudatio zu halten.

Ich sehe ganz gerne die Sendungen, wo sich Landfrauen reihum gegenseitig bekochen und bewerten. Das bedeutet: jeweils eine bereitet wie früher in der traditionellen Rolle mit ihrer Familie und besten Freundin tagelang alles liebevoll vor. Aber das für mich Interessante, Spannende daran ist, wie diese Frauen ihre Lebensentwürfe gestalten, neue Dinge und Wirtschaftsformen auf ihren Höfen ausprobieren. Solche Entwicklungen einmal herauszuheben, wäre unbedingt die Mühe Wert.

Ich frage mich, mit welchem Weltbild sollen meine Enkeltöchter groß werden? Wir hatten nach dem Krieg keine guten Vorbilder. Ich selbst bin noch sehr devot und zu einem Angsthasen erzogen. Die sogenannten „Respektspersonen“ mussten mit einem „Diener“ begrüßt und unreflektiert auf einen Sockel gestellt werden! Das sollte sich bei der aktuellen politischen Lage dringend ändern.
Wie denken Sie darüber?

Veröffentlicht 13. November 2019 von Michael in Uncategorized

Regenbogen überm Fluss   Leave a comment

So menschenleer ist das Ufer recht idyllisch.
Auch der Fluss strömt still und unaufgeregt
in die untergehende Abendsonne.
Mit ihm fließt, sanft geschaukelt,
die Hektik und Unruhe der Stadt davon.
Ein Augenblick der Entspannung und Achtsamkeit.

Ein Moment der Gelassenheit,
des Innehaltens und Loslassens.
Bedürfnisse werden belanglos.
Sehnsüchte marginal.
Einfach nur da sein.
Das ist schon genug.

Während sich das Grau der Wolkendecke
bleiern im Wasser spiegelt,
überspannt der Regenbogen
farbenfroh und körperlos den Fluss.
Bald wird er wieder verschwunden sein.
Spurlos, und doch eindrucksvoll.

Veröffentlicht 5. September 2019 von Michael in Gedankensplitter

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